Operation am Herzen

von Sven Carlsen am 07.12.2015 / in Allgemein
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Nachdem wir mit unserem Motormonteur gesprochen haben, und uns überlegt haben was am sinnvollsten ist, gibt es nur eine Option. Der Motor muss raus und in die Werkstatt, das ganze so schnell wie möglich.

Es ist derzeit nicht möglich, mit einem Kranwagen an die Pamfilius heran zu fahren. Auch ein großer Kran ist schwierig, da große Winterzelte die Zufahrt derzeit blockieren.

Es bleibt nur die Option, den Motor „von Hand“ aus dem Schiff zu operieren. Problem ist im wesentlichen, dass der Motor ca. 3,5 m vom Schiff nach unten bewegt werden muss. Wie kann das gehen?

20151205_081948_resizedSamstag machte ich mich ans Werk, so oder so, muss der Motor erstmal raus, mein Plan war es, erstmal den Motor ins Cockpit zu bekommen, und dann weiter zu schauen. Um den Motor dort hin zu bekommen, muss er zunächst in die Kajüte, und dann über den Niedergang nach draußen.

Um 8.00 Uhr war ich an Bord und hatte mein Werkzeug bereit gelegt. Erstmal habe ich alle Anschlüsse abgebaut, Dieselzuleitung, Dieselrückleitung, Kühlwasseranschluss, Stromzufuhr, Schaltzug, Geriebezug, Getriebe vom Wellenflansch, Zuleitung zum Schaltpanel und den Auspuffschlauch ab.

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Das ging alles relativ gut, nach 1 ½ Stunden war der Motor von allen Lebenswichtigen Leitungen befreit. Als letztes noch die Muttern von den Fundamentbolzen ab und der Motor war soweit frei.

Nach einem Kaffee und Brötchen habe ich ein Kantholz über die Cockpitbänke gelegt und dort einen Kettenzug angebracht. Mit einem Heißgurt den Motor an der Kette fest (zum Glück hat er 2 Heißbolzen, an denen man den Heißstrop anbringen konnte. Langsam zog ich an der Kette des Kettenzuges in Richtung UP.

Langsam löste sich der Motor vom Fundament und kurze Zeit später hing er im Motorraum frei. Mit Hilfe von Mark, der praktischerweise gerade auf dem Winterlagerplatz auftauchte versuchte ich den Motor in die Kajüte zu bugsieren. Dieses ging nicht ganz so einfach, der Winkel vom Heißgurt / Kettenzug passte nicht. Also Motor noch einmal wie20151205_120448_resizedder runter und neu denken. Wir bauten den Kettenzug um, und legten diesen über den Niedergang und hingen den Motor wieder ein, so passt der Zugwinkel aber nicht. Marks Vorschlag, um die hinteren Fundamentfüße des Motors ein Tau zu wickeln, damit er den Motor mit Manneskraft hinten anheben kann, vorne das gleiche durch mich war eine sehr gute Lösung. So konnten wir den Motor vom Fundament heben, nach vorne schwenken und mit dem Kettenzug wieder anziehen. Eine Weile später hing der Motor im Niedergang der Kajüte frei.

Jetzt eigentlich nur noch nach oben ziehen, mit dem Kettenzug und ins Cockpit schwänken. Denkste, der Motor kam zwar hoch, passt aber nicht durch den Niedergang. Der Niedergang ist unten schmaler als oben, und nur mit dem Balken kommen wir nicht hoch genug.

Eine andere Lösung muss her. Mark hatte noch Termine, und musste leider wieder los. Ich experimentierte am Schiff weiter. Irgendwie muss ich den Kettenzug so hoch bekommen, dann der Motor sicher auf eine Höhe kommt, dass er durch den Niedergang passt.

Zunächst dachte ich an eine Klappleiter, Mark hat eine an seinem Schiff, und er hatte mir netterweise den Schlüssel überlassen. Diese lässt sich aber nun einmal klappen und ist zu breit wenn ich sie aufbaue, sie findet keinen Halt über dem Niedergang.

Ich schlich über den Platz und schaute, was da noch so rumsteht, was evtl. gehen könnte. Ein Bock wäre nicht schlecht, aber diese einfachen Holzböcke… ob die die knapp 100 kg tragen? Ich traute mich nicht. So verrinnt Stunde um Stunde. Um 16.00 Uhr soll ich schick angezogen beim Familienkaffee sein. Zu der Zeit hatte ich Ölverschmierte Hände und sah auch nicht gerade nach Adventskaffee aus.

Ich brach ab. Es hat so keinen Sinn, ich brauche eine andere Idee. Der Motor bleibt über Nacht erstmal in der Kajüte. Erstmal Duschen und dann Kaffeetrinken und gute Laune heucheln.

Nachdem Adventskaffee sinke ich auf die Couch. Meine Frau und Schwiegereltern unterhalten sich ich döse irgendwie ein. Irgendwann wache ich auf. Der Kamin brennt und ich denke, ich brauche eine schmale Klappleiter dich ich über den Niedergang bekomme, das sollte gehen, dann die Klappleiter ins Cockpit stellen und ganz an den Rand stellen, Motor ran, mit 2 Mann den Motor an Tauen seitlich rausziehen und dann ablassen. Mein Schwiegervater hat eine Klappleiter in der Garage, das habe ich ganz deutlich in meinen Träumen gesehen.

Ich frage ihn, keine Ahnung worüber sie sich gerade unterhalten haben, aber er sagt, ja, steht in der Garage.

20151206_105736_resizedAm Sonntagmorgen packe ich die Leiter ein, und fahre wieder zum Winterlager. Die Leiter ist an mehreren Stellen klappbar und ich kann sie sicher über dem Niedergang aufbauen. Das Kantholz schieb ich über 2 Sprossen durch die Leiter, Kettenzug ran, Motor ran. Es geht so einfach. Den Motor hebe ich an, schieben ihn ins Cockpit und lasse ihn wieder ab. Schritt 3 geschafft.

Nun liegt er da unten im Cockpit. Er muss aber auf auf Höhe der Bänke. Als erstes Säge ich 2 Balken zurecht, 20151206_113131_resizeddie ich quer über die Cockpitbänke legen kann um anschließend darauf den Motor zu plazieren. Dann wieder die Leiter über das Cockpit, wieder der Kettenzug, und der Motor steht auf den Balken auf den Cockpitbänken.

Mark kommt wieder zur Hilfe. Die Leiter ist zu breit, um sie sicher auf die Cockpitbank zu stellen. Also wieder überlegen. Ich finde zwei Eichenbohlen, mit denen ich einen sicheren Stand bauen kann. Also Leiter wieder aufbauen. Die Idee den Motor auszuschwingen, geht so leider nicht.

20151206_131147_resizedMark hat dann die geniale Idee eine weitere Leiter quer auf das Nachbarboot zu legen (Den Eigner kenne ich zum Glück gut, so dass es dort keinen Ärger geben wird, kostet noch mal ein paar Bier).

Die Leitern werden gesichert, mit ordentlichem Tauwerk. Jan kommt auch noch zur Hilfe. Zunächst heben wir den Motor an der Klappleiter so weit oben wie möglich auf (Mit Kettenzug hoch, dann mit Tauwerk gesichert, Kettenzug wieder ab). Nun den Kettenzug an die Leiter, die zwsichen den beiden Schiffen ist. Motor einhängen und mit Muskelkraft bekommen wir den Motor über die Bordkante der Pamfilius, unter Sicherung mit dem Kettenzug. Nun hängt der Motor an der Leiter zwischen den Schiffen. Langsam kann Jan am Kettenzug den Motor herunterlassen, Jan und ich halten den Motor von der Bordkante der Pamfilius ab, bis er so weit unten ist, dass er wirklich frei hängt.

Nun nur noch den Motor unten auf eine Karre packen, aushängen und der Motor ist abfahrbereit!IMG-20151206-WA0007

Wir haben es geschafft! Danke an die beiden besten Helfer der Welt!

Mark muss wieder los, und mit Jan und einem weiteren Shangheiten Helfer vom Platz bringen wir den Motor ins Auto. Jetzt nur noch die Plane wieder übers Schiff, aufräumen und dann kann der Motor in die Werkstatt gebracht werden.

Herrlich! Ich fühle mich gut.

20151206_133302_resizedEinziges Problem, es ist Sonntag, die Werkstatt geschlossen. Ich fahre erstmal zu Schwiegereltern, und schnorre mir einen Kaffee. Es gibt jetzt mehrere Optionen, Motor zur Werkstatt fahren, meinen Schwager zwingen mit zu kommen und den Motor einfach vor die Tür legen. Andere Option, den Motor bei Schwager ins Auto legen, und er bringt ihn Montag in die Werkstatt. Oder Ich lasse ihn in der Garage bei Schwiegereltern, nehme mir die Wochen einen Tag frei und bringen ihn dorthin.

Mein Schwager ist zufällig auch gerade da. Er ruft einfach mal bei dem Monteur an (er kennt ihn auch privat ganz gut). Er ist gerade in der Werkstatt und schraubt an seinem Auto rum. Diese Option ist die beste, wir fahren direkt los, und bringen ihm den Motor direkt vorbei. Nun steht er dort in der Halle. Jetzt heißt es abwarten, um zu schauen, was wirklich damit los ist. Zum Frühjahr sollten wir dann wieder einen Motor haben, der uns bei Flaute vorantreibt.

Geschafft aber irgendwie zufrieden fahre ich nach Hause.

2 Kommentare

  • Klaus13 says:

    Na, das ist zwar schwer improvisiert aber unter dem Strich doch sehr ordentlich gemacht. Glückwunsch. Nun hoffe ich für Dich, dass es kein größerer Schaden ist.

  • Sven Carlsen says:

    Sicher ist das improvisiert, wie hätte man es aber anders lösen sollen? Ich habe zwar eine ordentlich ausgestattete Werkstatt, aber alles eben auch nicht. Die Leitern stehen sehr sicher, auch wenn es evtl. anders aussieht, da wackelt nix, da alle Leitern auch ordentlich abgespannt waren. Der Motor wiegt etwa 90 kg, das sollte eine Leiter halten.

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